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Junge Menschen nehmen ihre Angelegenheiten in die eigenen Hände!

Erste „Jugendaktionskonferenz-SH. Wir für Klima, Demokratie und Gerechtigkeit“ in Kiel

Junge Menschen interessierten sich wieder stärker für politische Themen. Viele von ihnen seien bereit, sich für ihre Anliegen zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen. Das sagte Dr. Theresa Züger, Leiterin des Projektteams für den Dritten Engagementbericht der Bundesregierung auf der ersten Jugendaktionskonferenz Schleswig-Holstein vor 150 Teilnehmer*innen am 17. Januar dieses Jahres im Kieler Landtag. Junges Engagement hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Durch die Nutzung des Internets erhöhen sich Wirkungsradius und aktuelle Aktions- und Reaktionsmöglichkeiten, es gibt eine größere Flexibilität der Aktionsformen. 

Die Aktiven haben sich auf die übergreifenden thematischen Schwerpunkte Klimaschutz, Digitalisierung und Generationengerechtigkeit verständigt. Dadurch erweckt jugendliches Engagement vielfältiges öffentliches Interesse und initiiert gesellschaftliche Debatten. Und es gibt weitere große Potentiale: Jugendliche schauen hoffnungsvoll in die Zukunft, haben umfangreiche digitale Kenntnisse und den Mut zu zivilem Ungehorsam.

Dr. Züger sprach aber auch von neuen Herausforderungen. So führt der demographische Wandel zunehmend zu Generationskonflikten und einer Unterrepräsentation von Zielen und Lebenssichten junger Menschen. Allerdings ist die intergenerationelle Kommunikation interessengeleitet und emotional besetzt; jugendlichem Engagement wird – jedenfalls in Teilbereichen – wenig Zutrauen entgegengebracht. Gesellschaftlich aktiv sind weiterhin vor allem Jugendliche, die gut gebildet und in der Regel sozial abgesichert sind. Darüber hinaus ist jugendliches Engagement zunehmend rechtspopulistischen Anfeindungen ausgesetzt, ein Teil der jungen Menschen ist empfänglich für rechtspopulistische Agitationen.

Der zwanzigjährige Kieler Özgürcan Baş, der seit einigen Jahren in vielen gesellschaftlichen Feldern in Schleswig-Holstein ehrenamtlich aktiv ist, bezog in einer kurzen Erwiderung einzelne Aspekte des Vortrags auf seine konkreten Praxiserfahrungen. Wenn Freistellungen von Schule und Arbeit oft nicht einfach seien, Verdienstausfall und Fahrkosten nicht übernommen würden und auch inhaltliche Forderungen von Jugendlichen häufig auf Ablehnung und Umsetzungsschwierigkeit stießen, so zeige dies enge Grenzen von Rahmenbedingungen und Wirksamkeit von jugendlichem Engagement auf. Nach Auffassung von Baş verunsichern Fake News und rechtspopulistische Bedrohungen Jugendliche und untergraben ihr Eintreten für Demokratie. Soziale Ungerechtigkeit und Stigmatisierung zeigten sich am deutlichsten an ganz konkreten Situationen, etwa wenn Jugendliche aus Geldmangel nicht an Klassenreisen teilnehmen könnten. 

Im Zentrum der Jugendaktionskonferenz standen zwei Arbeitsphasen. Hier tauschten die jungen Akteur*innen, die aus unterschiedlichen Feldern ehrenamtlichen Engagements in Schleswig-Holstein  kamen, ihre Erfahrungen aus und diskutierten Forderungen zur Stärkung des ehrenamtlichen Engagements. 

Dabei ging es um die gesellschaftliche Wertschätzung der ehrenamtlichen Arbeit und die konkrete Verbesserung von Rahmenbedingungen. So müssten den Aktiven vor allem die erforderlichen zeitlichen und finanziellen Ressourcen zur Verfügung gestellt, Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch und zur Fortbildung eröffnet werden. Eine große Aufgabe ist auch die Einbeziehung von marginalisierten Gruppen in den Ehrenamtsbereich im Kontext einer inklusiven Gesellschaft. Die Menschen müssten abgeholt werden, soziale Leistungen sollten Engagement ermöglichen, Stigmatisierungen müssten abgebaut werden.

Im Zusammenhang mit praxisbezogenen Bildungsangeboten stünden alle Bildungsbereiche in der Pflicht; der Schule komme eine besondere Bedeutung zu. Bildungseinrichtungen seien Orte demokratischer Beteiligung, sie sollten für ehrenamtliches Engagement sensibilisieren und qualifizieren; Schulen könnten z. B. Fachtage, Projekte und Messen durchführen. Auch ein ausgeweiteter WiPo-Unterricht kann hier eine zentrale Rolle spielen, wenn Kenntnisse zu demokratischen Institutionen und Werten stärker mit aktuellen Diskursen und konkreten Handlungsoptionen verbunden werden. 

Aber es geht nicht nur um die Verbesserung der Rahmenbedingungen für junges Engagement, sondern auch um die gemeinsame und verbindliche Arbeit an Problemlösungen und deren Umsetzung. Hier spielt auch die kommunale Ebene eine wichtige Rolle. Es gibt zahlreiche Engagementmöglichkeiten, von Beteiligungsrechten im Rahmen des §47 der Kommunalverfassung über Verbandsarbeit in Jugendverbänden bis hin zu kommunalen Kinder- und Jugendvertretungen.

Die Ergebnisse dieses sehr intensiven Arbeitsprozesses wurden am Ende der Konferenz den Landtagsabgeordneten von CDU, SPD, FDP und Grünen, die der Einladung der jungen Akteur*innen gefolgt waren, präsentiert. Die Abgeordneten sicherten zu, mit den ehrenamtlichen Jugendlichen im Gespräch zu bleiben und sich weiterhin für das Ehrenamt einzusetzen. 

Die detaillierten Ergebnisse der lebhaften Debatten auf der Konferenz sollen jetzt aufbereitet und veröffentlicht werden. 

Text: Dörte Busse-Meyn, Heino Schomaker

Im Rahmen der Erarbeitung des Dritten Engagementberichts der Bundesregierung fand am 2. Juli 2019 ein Dialogtag unter dem Titel „#JugendMACHT“ statt. Die Teilnehmer*innen erarbeiteten ein Positionspapier mit fünf Forderungen für die Sicherung und Weiterentwicklung jugendlichen Engagements. Danach müsse Engagement frühzeitig in Bildung und Erziehung integriert und stärker in seiner Vielfalt anerkannt werden. Die Förderstrukturen für junges Engagement müssten verbessert; Ungleichheit, Diskriminierung und Fremdenhass müsse gemeinsam wirkungsvoll begegnet werden. Und politische Mitsprache von jungen Menschen müsse auf Augenhöhe geschehen; dafür brauche es neue Instrumente und Vernetzungen. 

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